Der Roadtrip

Nicolás Dupont
Der Roadtrip, 2019
Öl auf Leinwand, 160 x 200

 

SORRY, YOLO … MAN LEBT NUR EINMAL!

10. Mai 2019 18–24Uhr

LANGE NACHT DER GALERIEN UND MUSEEN IM BAROCKVIERTEL

ab 18 Uhr

VERNISSAGE GALERIE HOLGER JOHN

SORRY, YOLO… MAN LEBT NUR EINMAL!

contemporary art

 

Alexander Endrullat | Electric Uwe | Monika Dahlberg |

Moritz Schleime | Matti Schulz | Nicolás Dupont |

Oliver Estavillo | Paul Pretzer | Sebastian Lukaß |

 

AUSSTELLUNG 10. Mai – 16. Juni 2019

Öffnungszeiten Dienstag – Sonntag 14 – 19 Uhr

 

 
ab 23Uhr

YOLO AFTERSHOWPARTY

CLUB STANDESAMT
PALAISPLATZ 2 01097 DRESDEN
Entritt frei!
http://www.standesamt.club/

LANGE NACHT der Galerien & Museen im Neustädter Barockviertel

18 – 24 Uhr

GALERIE GEBRÜDER LEHMANN – GALERIE HOLGER JOHN – GALERIE URSULA WALTHER – DREIKÖNIGSKIRCHE – GALERIE ART+FORM – KUNSTVEREIN DRESDEN – GALERIE INES SCHULZ – GALERIE FLOX – HANS KÖRNIG MUSEUM – GALERIE KUNST & EROS – KÜGELGENHAUS – KUNSTHAUS DRESDEN – PRODUZENTENGALERIE – PYLON-LAB – GALERIE STEPHANY KELLY – KINDER – & JUGENDGALERIE EINHORN – RAMONA KRÜGER POP – EY GALLERY …

SORRY, YOLO … MAN LEBT NUR EINMAL!


Titelabbildung Oliver Estavillo CRAZY PHARAOS (Verrückte Pharaonen) 100×160 cm | Öl | Blattgold auf Leinwand | 2014

 

SORRY, YOLO… MAN LEBT NUR EINMAL!

contemporary art

Freitag, 10. Mai 2019  ab 18 Uhr

VERNISSAGE GALERIE HOLGER JOHN

Alexander Endrullat | Electric Uwe | Monika Dahlberg | Moritz Schleime | Matti Schulz | Nicolás Dupont | Oliver Estavillo | Paul Pretzer | Sebastian Lukaß |

 

10. Mai 2019 18–24 Uhr

LANGE NACHT DER GALERIEN UND MUSEEN IM BAROCKVIERTEL

 


ab 23 Uhr YOLO  AFTERSHOWPARTY

CLUB STANDESAMT

PALAISPLATZ 2
01097 DRESDEN

Entritt frei!

www.standesamt.club

 

DEUTSCHE HEIMAT

Johannes Kühl  „Elblandschaft“  Fähre Johannstadt  – Ausschnitt, 1943  Öl auf Leinwand

FÜNF JAHRE GALERIE HOLGER JOHN

DEUTSCHE HEIMAT

Gemälde | Zeichnung | Plastik | Erinnerung

AUSSTELLUNG  verlängert bis 7. April 2019

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag  14 – 19 Uhr

und nach Absprache.

In Kooperation mit
Kulturhauptstadtbüro Dresden 2025
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Oskar Seyffert, Richard Müller, Johannes Kühl, Jacques Mattias Schenker, Curt Querner, Alfons Prutscher, Beate Bilkenroth, Richard Naumann-Coschütz, Carl Spitzweg, Eric Keller,
August Hofer, Otto Schubert, Leano Modo, Alexander Gerbig, Franziska Klotz, Micha Wutz, Edmund Körner, Lutz Heyder, Willy Schmatze, Herrmann Schmidt, Eva Schwager, Peter Zimolong,
Georg Egmont Oehme, Erhard Hippold, Christian Manss,
Adolf Achleitner, Hans Hartig, Siegfried Klotz, Andreas Bräunsdorf, Max Pietschmann, Wolfgang Pfeifer, Karl Heidelbach, Wolfram Neumann, Fritz Beckert, Leonhard Sandrock, Karl Eulenstein, Stephan Ruderisch, Willi Mair, Hans Ohme, Walter Hahn, Titus Schade, Horst Janssen, Erich Lindenau, Markus Retzlaff, Barbara Bessen-Möckel,
Walter Womacka, Manaf Halbouni …

VERNISSAGE am Mittwoch 13. Februar 2019 ab 18 Uhr

GRUSSWORT
Annekatrin Klepsch – Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden
Zweite Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden

HEIMAT – DIE GESCHICHTE EINES WORTES
Dr. Igor Jenzen – Direktor Museum für Sächsische Volkskunst mit Puppentheatersammlung

MUSIK
Kaiserquartett Striesen
Heiner Stephani & Hauskapelle Olbernhau

Beate Bilkenroth „Reicker Strasse 2“  Öl auf Leinwand

Ausgerechnet am 13. Februar hatte Holger John seine Ausstellung „Deutsche Heimat“ eröffnet. Ein Provokateur, sagen die einen, die nur das Ziel sehen. Ein Genie, sagen die anderen, die nur den Streich wahrnehmen. Doch wer ist er eigentlich, dieser Holger John, der stets verschmitzt Lächelnde? Was will dieser selbsternannte Impresario, der Galerist mit Hut und Intendant seines kleinen Dresdner Welttheaters? Befragt man ihn, kann man nie sicher sein, an welcher Stelle John flunkert. Dass er es tut, dessen sollte man sich gewiss sein.

„Ich bin ein Ostersonntagskind“. Sonntag stimmt. 1960 erfolgte die Auferstehung Johns bereits zwei Wochen vor Ostern. Für John gerade noch ausreichend Zeit, ein gesamtdeutsches Gemüt zu entfalten – ein ganzes Jahr vor dem Mauerbau. Als gebürtiger Havelländer bereiste John vor seinem Dresdner Studium die ganze erreichbare Welt. Der kleine John wurde durch den großen John mit den ganz Großen auf der Insel Usedom groß. Sein Vater, der Grafiker Joachim John, vermittelte dem Lütten Zeichenunterricht bei Otto Niemeyer-Holstein und eine Töpferlehre bei Hedwig Bollhagen. Später versuchte sich Holger John in Berlin an Gebrauchsgrafik. Ab 1988 studierte er bei Gerhard Kettner an der HfBK Dresden. Der Meistermacher Ralf Kerbach schlug John 1993 zum Maler. Tipps, K (n)iffe und Wirksameres holte sich der Zögling additiv 1995 bis 2002 als Assistent von Jörg Immendorf.

Eigentlich wollte Holger John Bühnenbildner werden. Er begreift die Welt als Bühne, inszeniert Räume, in denen der Besucher (meist ohne es selbst zu merken) als Schauspieler/Akteur fungiert. 1998 hob John mit dem „Titanic-Filmball“ das Heizkraftwerk Mitte aus den Tiefen des städtischen Sumpfes zurück ins öffentliche Mehrklassen-Bewusstsein, 2005 tanzte er als Zeremonienmeister mit Gerhard Richter zur Wiedereröffnung im Albertinum und errichtete 2011 mit „Rammstein“ deren Mausoleum vor der O2-Arena in Berlin.

Nun feiert er „Fünf Jahre Galerie Holger John“. Doch eigentlich steht Holger John im sechsten Jahr. Bereits im Oktober 2013 organisierte er in dem ehemaligen Bayrischen Volkstrachtenladen, der geschlossenen Galerie Brigitte Utz, dem früheren Loft – vor dem temporär Superman mit ziemlichem Pop-Karacho in den Boden gerammt ist – seine erste Ausstellung und zeigte eigene Zeichnungen. Lediglich eine Nacht für das Alter Ego geplant, hat John die damalige „Lange Nacht der Galerien“ an dieser Adresse für sich, eine breite, oft spektakuläre Künstlerschaft und das Publikum verlängert.

Jetzt feiert er mit uns fünf Jahre, sich und die „Deutsche Heimat“. Holger John ist ein Heimat-Hirsch. Mehr als einmal bewies er professionell, dass er zum Thema Heimat eine eigene Meinung hat. 2008 wirkte er an der Ausstellung „Baustelle Heimat“ im Museum für Sächsische Volkskunst kreativ mit. Logische Konsequenz, dass zu Johns Eröffnung am 13. Februar der Direktor des Volkskunstmuseums die Einführungsrede hielt. Nach einem deutlichen Grußwort von Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, die betonte, dass Dresden sich mit dem Slogan „Neue Heimat – Dresden 2025“ als Kulturhauptstadt bewirbt und mit Worten der Schriftstellerin Thea Dorn warnte, dass „Neue Heimat“ zu einem Lieblingsbegriff der politisch Rechten würde, umriss Igor Jenzen die Entwicklung des Heimatbegriffes. „Heimat ist ein Argument. Kein Refugium oder Besitz.“ Jenzen skizzierte die Veränderung des Heimatbegriffes ausgehend vom Römischen Reich mit seinen 350 Territorien.

Damals war es wichtig festzustellen, wo jemand hingehöre, später, wo jemand herkomme. Im boomenden Erzgebirge waren die schürfenden reichen Leute stolz auf die Region, der sie entstammten, Verleger und Handlungsreisende, welche die Produkte auf fremden Märkten feilboten, waren von „Nostalgie“ und „Heimweh“ beseelt.

Mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon erfuhr der Heimatbegriff mit dem Heimatgefühl eine Emotionalisierung und in der Romantik schaute man auf die inneren und wahren Werte der Kindheit zurück. Der Besorgnis vor dem Verlust von Heimat in Zeiten der Industrialisierung wirkte um 1900 die Heimatbewegung mit ihrem Blick auf Harmonie entgegen: Mensch, Natur und Kultur im Einklang. 1908 wurde der Deutsche Heimatschutz gegründet. Wenige Jahrzehnte später wurde der Heimatbegriff politisch instrumentalisiert, „wir sind so, die anderen anders – das wollen wir aber nicht“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aufgrund der großen Flüchtlingswelle im Osten wie im Westen der Heimatbegriff diskreditiert und führte in den 50er Jahren hüben wie drüben zu einer neuen Besinnung auf Heimat, vor allem über die neuen Heimatfilme kommuniziert. Die DDR forcierte eine politische Heimat – „Und wir lieben die Heimat, die schöne, und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört …“. Und heute haben wir eigentlich keine Probleme, deshalb machen wir uns welche.

John wäre nicht John, wäre nicht schon die Eröffnung zu einem riesigen Volksfest mutiert. Das Kaiserquartett Striesen huldigte dem Brunnen vor dem Tore und dem Ännchen von Tharau. Heiner Stephani und die Hauskapelle Olbernhau brachten hausgemachte erzgebirgische Folksmusik unters Volk. Verstanden hat sie niemand, lustig und beschwingt war die Mundart allemal. Bier floss gezapft in Elbströmen, fußmüde Wegesleut konnten sich an Biertischgarnituren ausruhen. Selbstverständlich hing an der Wand das Hirschgeweih – aus Plüsch, ein China-Import. Der Impresario trug eine mit deutschen Doggen verzierte Krawatte und auch sonst scheute er in der Ausstellung keine Klischees. Man findet den deutschen Wald, das deutsche Mädel, den deutschen Berg, das Alpenglühn und die Kuckucksuhr, Sonntagsidylle, Häuslebau und Kacheln. Wer sich keinen Canalettoblick leisten kann, bekommt diesen als Diashow serviert.

Doch war es das? Typisch John? Ein Event? Nein, sondern typisch John! Wer Muse mitbringt, erkennt hinter all der lauten Fassade geballte Reflexion. Die „Alte Heimat“ im Untergeschoss mit Carl Spitzwegs „Gemütlicher Wache“ (um 1855), Oskar Seyfferts „Im kummet Lampenschein“ (1906), Johannes Kühls „Elblandschaft“ (1943). Die „Neue Heimat“ eine Etage darüber mit dem „Altmarkt“ (2003) von Siegfried Klotz, Peter Zimolongs „kontroVERSE I“ (2015) und Walter Womackas „Paar am Strand III“ (ohne Jahresangabe). Der Erinnerung ist mit der Präsentation des Dekorationsmalers Willy Max Schmatze ein eigenes Abteil gewidmet. Eric Keller hängt mit seinem Bild „Kulturhaus I“ (2018) als verbindendes Moment dazwischen.

Das Wirtshaus mit einem Festsaal, in dem jahrzehntelang gefeiert wurde. Erst gab es Schwof für alle, dann wurde in der DDR mittels politischer Strukturen selektiert. In der Wendezeit wurden Kulturhäuser zum Schicksal unerfahrener Unternehmer. Jetzt schafft es niemand mehr, den Staub der Geschichte zu beseitigen. Der Künstler erzählt von Schwermut und Erinnerung. Eine herabhängende Girlande kündet noch von fröhlichen Tagen. Ansonsten ist der Saal weitestgehend geräumt.

Holger John ist meistens vor Ort und wird keine Gelegenheit auslassen, seine Anekdoten zum Besten zu geben und andere zu erfragen. Vor allem vor einer Schwarz-Weiß-Fotografie unbekannter Herkunft – Zeitzeugnis exzessiven Feierns in den privaten Partykellern in der DDR mit viel Bier, schlechter Musik und enthemmter Entkleidung. Dies ist keine Drohung, sondern verspricht unterhaltsam zu werden.

bis 7. April, Rähnitzgasse 17, geöffnet täglich 14 bis 19 Uhr www.galerie-holgerjohn.com

Autor: Patrick-Daniel Baer

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Les portraits d‘artistes du formidable: Monsieur Ledoux

Les portraits d‘artistes du formidable:

Monsieur Ledoux

Paris, Photography

 

Herzliche Einladung zur Vernissage

Samstag, 8. Dezember 2018, 18 Uhr

 

Begrüßung Helene Lebonnois Institut francais Dresden
Musik Mika Swuk Akkordeon

 

Nehmt an der Künstlertafel Platz!

 

Ausstellung 8. Dezember 2018 – 8. Februar 2019
Dienstag – Sonntag 14 – 19 Uhr

Zur Ausstellung erscheint eine limitierte Edition.

 

 

 

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DIE UNBEGABTEN

DIE UNBEGABTEN

ANDY WARHOL | MEL RAMOS | JEFF KOONS | DAMIEN HIRST |  DAVID HOCKNEY | JULIAN OPIE | ROY LICHTENSTEIN |  KEITH HARING | SIGMAR POLKE | GERHARD RICHTER | CLAES OLDENBURG | ROBERT LONGO | GÜNTER BEIER |  BERND KIRSCHNER | JEAN-YVES KLEIN | JONATHAN MEESE |  FENG LU | BANKSY | TONY CRAGG | BERND REITER |  SUPER FUTURE KID | KOSMO MARS | MARCUS WITTMERS |

 

Ausstellung 15.9. – 18.11. 2018

19 UHR | VERNISSAGE | SAMSTAG | 15. SEPTEMBER 2018 | 

ART.EFAKT PRESENTS | STEPHEN PAUL TAYLOR | GLAM POP | CANADA

GALERIE HOLGER JOHN | RÄHNITZGASSE 17 | D-01097 DRESDEN |

 

21 UHR | AFTER SHOW PARTY |
HERZ AMERICAN BAR | PRISCO PASSAGE |
PEDRO QUERIDO IN CONCERT |

 

22 UHR | AFTER SHOW DE LUXE PARTY | 
CLUB STANDESAMT | PALAISPLATZ |
„STUDIO 54“ | SPECIAL DJ TOMPA &  DJ TOPNOTCH | WHY NOT |
24 UHR | TRAVESTIE REVUE | LADY GAGA | SHOW STARS FROM THE CARTE BLANCHE |
PARTY OPEN END |

 

FREE VIP TICKETS
in der Galerie Holger John

DIE UNBEGABTEN

ANDY WARHOL | MEL RAMOS | JEFF KOONS | DAMIEN HIRST | DAVID HOCKNEY | JULIAN OPIE | ROY LICHTENSTEIN | KEITH HARING | SIGMAR POLKE | GERHARD RICHTER | CLAES OLDENBURG | ROBERT LONGO | GÜNTER BEIER | BERND KIRSCHNER | JEAN-YVES KLEIN | JONATHAN MEESE | FENG LU | BANKSY | TONY CRAGG | BERND REITER | SUPER FUTURE KID | KOSMO MARS | MARCUS WITTMERS |

DIE UNBEGABTEN |

AUSSTELLUNG

15. SEPTEMBER – 18. NOVEMBER |

 
GALERIE HOLGER JOHN |
RÄHNITZSGASSE 17 | D-01097 DRESDEN |
 

VERNISSAGE |

SAMSTAG | 15. SEPTEMBER 2018 |

19 UHR |

 
SPECIAL GUEST FROM LONDON |
SUPER FUTURE KID & KOSMO MARS |
 
AFTER SHOW PARTY |

HERZ AMERICAN BAR |

PRISCO PASSAGE |
 
& AFTER SHOW DE LUXE |
„STUDIO 54“ |

MEETS CLUB STANDESAMT |

PALAISPLATZ |
FREE VIP TICKET | DANCING & ART SHOW |
OPEN END

LETZTER TAG IM INDIANERLAND

HEUTE, SONNTAG , LETZTER TAG im 

INDIANERLAND!

Ausstellung mit Kinderzeichnungen
von Holger John, Claus Weidensdorfer, Angela Hampel
STADTGALERIE RADEBEUL
Altkötzschenbroda 21
14-18 Uhr
Eintritt frei

 

 

 

 

Ulrike Weidensdorfer

INDIANERLAND – KINDERZEICHNUNGEN

Kinderzeichnungen von Holger John und Claus Weidensdorfer in der

Radebeuler Stadtgalerie

Ausstellung bis 26. August 2018

Stadtgalerie Radebeul
Altkötzschenbroda 21
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonntag
14-18 Uhr
Tel: 0351 600

Eintritt frei

Wie es zu diesem ungewöhnlichen Kunstprojekt mit den Kinderbildern von zwei namhaften Malern und Grafikern aus dem Dresdner Raum kam, ist schnell erzählt.

Vor etwa einem Jahr fragte ich Holger John, ob er sich vorstellen könne, als Sommergast in der Stadtgalerie auszustellen. Er sagte zu, suchte aber nach einer zündenden Idee, die sich mit den Besonderheiten der Stadt Radebeul verbinden ließe.

Das Kunstkooperationsteam zur Vernissage in der Stadtgalerie mit Dr. Christian Wacker, Holger John, Ulrike
Weidensdorfer, Karin Baum, Angela Hampel, Christian Schiller
Foto: K. (Gerhardt) Baum


Die fand er in der Jubiläumsausstellung der Städtischen Kunstsammlung. Dort entdeckte ein Kinderbild von Claus Weidensdorfer. Dargestellt war ein mit Buntstiften gezeichneter Indianerkopf, welche zur Initialzündung führte, die schließlich eine Kettenreaktion auslöste. „Wo eine Kinderzeichnung ist, sind bestimmt noch weitere“, hatte sich Holger John gedacht und damit ins Schwarze getroffen. Etwa 50 Blätter aus frühesten Kinder- und Jugendtagen fanden sich bei den Weidensdorfers in einem Pappkarton.

Von sich selbst besaß Holger John über 200 Kinderzeichnungen, denn als Sohn des Malers und Grafikers Joachim John wurde sein Talent frühzeitig erkannt und gefördert. Bereits mit fünf Jahren gewann er den 1. Preis beim Kunstwettbewerb der Ostsee-Anrainerstaaten und als 14jähriger eine Goldmedaille auf der Grafikmesse in Leipzig. Seine Mutter, eine Kunsterzieherin, hatte die Werke des Knaben gesammelt und sorgsam bewahrt.

Zeichenschüler Holger John mit seinem Lehrer Claus Weidensdorfer am 10. Juli um 13.10 Uhr
Foto: Repros K. (Gerhardt) Baum


Wenngleich der Altersunterschied zwischen Claus Weidensdorfer (geboren 1931) und Holger John (geboren 1960) auch knapp drei Jahrzehnte beträgt, hatten sich ihre Wege doch mehrfach gekreuzt. Während Johns Mutter zusammen mit Weidensdorfer studierte, arbeitete John in den 1990er Jahren an der Dresdner Kunstakademie als dessen Assistent. Was beide Künstler verbindet, sind die musisch aufgeschlossenen Elternhäuser, ist die Lust am Figurenerfinden, die Affinität zum Bildträger Papier und das leidenschaftliche Bedürfnis, beständig zu zeichnen, so wie andere reden, singen oder schreiben. Diesen freien Geist, den hintergründigen Humor und einen wachen Blick auf die Welt haben sie sich zeitlebens erhalten.

Von Holger Johns Idee, seine Kinderzeichnungen mit denen von Claus Weidensdorfer gemeinsam in der Stadtgalerie auszustellen, waren sowohl Claus Weidensdorfer als auch dessen Frau Ulrike Weidensdorfer sehr angetan. Aus der Personalausstellung wurde unversehens eine Gemeinschaftsausstellung mit Arbeiten, die bisher noch nie gezeigt worden sind.

Holger John »Indianer am Lagerfeuer« (Detail) 1969,
Wasserfarbe
Bild: Repros K. (Gerhardt) Baum


Der Ausstellungstitel „Indianerland“ steht im weiteren Sinne als Synonym für das „Land der Phantasie“. Zum Komplex der Kinderzeichnungen wurden einige interessante Kontrapunkte gesetzt. So hatte John, der die Ausstellung konzipierte, von beiden Künstlern jeweils zwei Arbeiten aus späterer Zeit eingefügt, zu der sie bereits als freischaffende Maler und Grafiker Anerkennung gefunden hatten. Die Künstlerkollegin Angela Hampel steuerte ebenfalls zwei Kinderzeichnungen bei, gewissermaßen als Beweis, dass Mädchen auch Indianer zeichnen können und wollen. Zu sehen sind u.a. von Claus Weidensdorfer vier alte Schul- und Zeichenhefte, einige Spielzeugindianer aus den 1930er Jahren sowie von ihm geschnitzte und bemalte Holzfiguren aus den 1980er Jahren.

Gedankt sei allen, die sich von Holger Johns Euphorie anstecken ließen und spontan an der Ausstellung „Indianerland“ beteiligt haben.

So steuerte Christian Schiller aus seiner Privatsammlung drei Falschgesichter vom Stamme der Irokesen und die plastische Nachbildung eines Dakota-Häuptlings mit Friedenspfeife bei.

Vom Karl-May-Museum wurden leihweise ein Tipi und vier lebensgroße – von Wind und Wetter arg mittgenommene – Indianerfiguren zur Verfügung gestellt, deren einstiger Daseinszweck das Werben für den Konsum von Tabakerzeugnissen war. In seinem Redebeitrag zur Vernissage betonte der neue Direktor des Karl-May- Museums Dr. Christian Wacker, wie sehr es ihn freut, dass es zwischen dem Karl-May-Museum, der Dresdener Galerie Holger John und der Radebeuler Stadtgalerie zu dieser Kunstkooperation gekommen ist. Für eine weitere Zusammenarbeit zeigte er sich aufgeschlossen. Auch wies er noch einmal darauf hin, dass die positive Einstellung vieler Deutscher gegenüber den indigenen Völkern vor allem auch durch die Bücher von Karl May geprägt worden ist. Selbst wenn sich dieser dabei vieler Klischees bediente, die schon damals mit der Realität weit auseinandergingen.

In Bezug auf seine eigenen Arbeiten äußerte John, dass „aus Beobachtung, Erlebtem und Erdachtem ein phantastisches, skurriles, poetisches und dramatisches Weltbild-Theater“ entstanden sei.

Claus Weidensdorfer »Winzerumzug« (Detail) 1946, Tusche
Bild: Repros K. (Gerhardt) Baum


Und von Coswig aus gesehen – wo Claus Weidensdorfer aufgewachsen ist – wird das Indianerland wohl bereits in Radebeul hinter den blauen Bergen begonnen haben, denn dort befindet sich das Karl-May-Museum. Sicher wird er auch noch Patty Frank erlebt haben, wie er Pfeife rauchend in der Blockhütte am Kaminfeuer saß und von seinen Reisen in ferne Länder abenteuerliche Geschichten erzählte.

Spannend ging es aber nicht nur bei den Indianern zu. Da gab es das Land der Zwerge, die aufregende Zirkuswelt oder unmittelbar vor der Haustür den Winzerumzug mit vielen obskuren Gestalten. Als Jugendlicher begann er sein Umfeld durchaus mit anderen Augen zu sehen. Themen wie Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau wurden nun reflektiert.

Ähnliches kann man auch bei John beobachten. Die Helden seiner Kindertage sind Indianer, Cowboys, Ritter, Millionäre oder Friedensfahrer. Detailreich schilderte er eine Schlägerei im Saloon oder was er durch Kinderaugen beim Kneipenbesuch mit dem Vater alles wahrgenommen hat. Er interessierte sich für Timur und seinen Trupp sowie die Kinder in Vietnam. Die Orte des Geschehens führen den Betrachter vom Mittelmeer über die Hölle ins Gruselschloss und von dort in einen Lampenladen. Die Phantasiewelten beider Künstler bieten für Kinder und Erwachsene gleichermaßen Anregung, Genuss und Vergnügen.

Zur heiteren Eröffnungszeremonie am 13. Juli hieß Holger John alle „Träumer, Hochstapler, Veganer, Eingeborene, Frei- und Querdenker willkommen im „Land der Phantasie“, dem Mittelpunkt der Welt“. Als Künstler und Kurator dieser Ausstellung zündete er ein Feuerwerk und löste damit viele Impulse aus, die zum Nachdenken anregen, wie die Potenziale unserer Stadt neu verknüpft werden könnten. Auch hat sich uns allen eine völlig andere Seite von Claus Weidensdorfer offenbart und wir fragen uns, warum sind wir nicht selbst auf die Idee gekommen? Fehlte es etwa an Phantasie?

Eine Botschaft der Ausstellung könnte sein: Lasst den Kindern Raum und Zeit zum Träumen, für Neugier, Abenteuer und zum Geschichtenerzählen. Die kindliche Phantasie ist ein sprudelnder Quell, aus dem wir ein Leben lang schöpfen.

Karin Baum

„Indianerland“ 1942  Claus Weidensdorfer