JOHN & JOHN

JOHN & JOHN

Joachim John & Holger John
Zeichnungen

Ausstellung 20. September – 3. November 2019
Galerie am Ratswall, Ratswall 22, Bitterfeld-Wolfen

 

Joachim John, an der Berliner Mauer, 2015, Tusche/Feder auf Papier

 

Zur Eröffnung der Ausstellung
am Donnerstag, dem 19. September 2019, 19 Uhr,
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Einführende Worte: Matthias Flügge,
Kunsthistoriker, Kurator und Rektor
der Hochschule für Bildende Künste Dresden
Musikalische Umrahmung: Bernhard Hentrich
Dresden, Cello
Holger John aus Dresden ist am Eröffnungsabend anwesend.

Holger John, Walpurgis, 2017, Tusche/Feder auf Papier

 

Galerie am Ratswall, Ratswall 22, Bitterfeld-Wolfen
Einrichtung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld
Telefon 03493 22672

Dienstag – Freitag 10 – 16 Uhr
Sonntag 10 – 16 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt

In Kooperation mit der Galerie Holger John, Dresden

 

Foto: Barbara John
JOHN & JOHN
Zeichnungen
Ich wandte mich an einen dieser Menschen und fragte ihn, wohin sie in diesem Aufzug gingen. Er antwortete,
er wisse es nicht, weder er noch die anderen; augenscheinlich aber gingen sie irgendwo, da sie von einem unwiderstehlichen Drang getrieben würden.
Alle diese erschöpften ernsten Gesichter ließen
keinerlei Verzweiflung erkennen; unter der spleenigen Wölbung des Himmels, die Füße im Staub eines Bodens schleifend, der so trostlos wie dieser Himmel war,
zogen sie ihres Weges mit dem ergebenen derer,
die zu ewiger Hoffnung verdammt sind.
Charles Baudelaire, Der Spleen von Paris,
„Jeder hat seine Chimäre“

 

Foto: Barbara John

SCHAUHASEN – KUNST & POLITIK

MILCHMANN

MILCHMANN

capitalism gang member

goldman sucks

Frank Hoffmann

Pierre Adam – Turbokapitalist

Harald Metzkes – Januskopf

Osmar Osten – Deutsche Vase

 

 

COLUMBUS: IN SEARCH OF A NEW TOMORROW

COLUMBUS:

IN SEARCH OF A NEW TOMORROW

37 internationale Künstler protestieren gegen die Zerstörung der Natur.

Ausstellung 20.6.–18.8.2019

DIENSTAG – SONNTAG 14 – 19 UHR

José Jacinto Ibanez-Quisilima
Inka-Otavalo Indianer Ecuador – spirit of the rising sun

 

ARTISTS UNITED FOR NATURE

ELVIRA BACH | ROY LICHTENSTEIN | CHRISTO | SIGMAR POLKE | ROBERT MANGOLD | ANTONI TÀPIES | MAX BILL | SANDRO CHIA | EDUARDO CHILLIDA | JOE COCKER | HANNE DARBOVEN | ILJA KABAKOV | ROBERT LONGO | CLAUS-OTTO PAEFFGEN | IRA KAINGANG | ANDREJ ROJTER | NAM JUNE PAIK | MIMMO PALADINO | SUZAN PITT | BRYAN FERRY | HARALAMPI G. OROSCHAKOFF | BERNARD MATEMARA | WERNER PAWLOK | JOE NALO | KENNY SCHARF | J. RAPHAEL SOTO | TOMI UNGERER | JAN PETER TRIPP | ROBERT GLENN KETCHUM | JEAN REMLINGER | RAYMOND E. WAYDELICH | ENOCH ZU GUTTENBERG | PETER HUTCHINSON | PETER USTINOV | MARIO VARGAS LLOSA | JOSEPH BEUYS

BETTINA JOHN – TEXTILE COLLAGEN

ROY LICHTENSTEIN

ELVIRA BACH

Nam June Paik

Nam June Paik (2006 in Miami Beach gestorben) war ein aus Südkorea stammender US-amerikanischer Komponist und bildender Künstler und gilt als ein Begründer der Video- und Medienkunst. Er lebte aber hauptsächlich in New York. Paik wird immer wieder als „Vater der Videokunst“ bezeichnet. Eingeladen durch den damaligen Kommissar für den Deutschen Pavillon der Biennale von VenedigKlaus Bußmann, erhielt Paik als Kulturnomade 1993 zusammen mit dem in New York lebenden deutschen Künstler Hans Haacke den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon. Nam June Paik war auch Teilnehmer der documenta 6 & 8 in Kassel. Mit diesem Werk erhält man etwas ganz besonderes, welches er speziell für „Artists United for Nature“ geschaffen hat. Auflage 100 Exemplare (12/100) und ist handsigniert. Zu besichtigen bei Galerie Holger John, 01097 Dresden, Rähnitzgasse 17. Tel. 0162/477 27 39. Preis auf Anfrage.

Max Bill

Max Bill war ein Schweizer Architekt, vielseitiger Künstler mit Schwerpunkten in Bildender Kunst. Er war Dozent und Mitbegründer der weltweit angesehenen Ulmer Hochschule für Gestaltung. Bill schuf zahlreiche Skulpturen und stellte vielfach in Galerien und Museen aus. Er war Teilnehmer der documenta 1 (1955), der documenta II (1959) und der documenta III (1964) in Kassel. Seine Werke hängen in den bedeutendsten Galerien und Museen. Das hier angebotene Werk hat eine Auflage von 100 Exemplaren (12/100) und ist handsigniert. Zu besichtigen bei Galerie Holger John, 01097 Dresden, Rähnitzgasse 17. Tel. 0162/477 27 39. Preis auf Anfrage.

 

Christo

Der amerikanische Künstler Christo wird am 13.6.1935 als Christo Vladimirov Javacheff im bulgarischen Gabrovo geboren. Mit seiner Frau Jeanne-Claude bildet er bis zu ihrem Tod eine untrennbare Künstler-Einheit, Christo und Jeanne-Claude arbeiten an allen Projekten eng miteinander zusammen. Christo ist mit seinen Projekten weltweit berühmt. Unter anderem verpackte er und Jean Claude 1995 den Reichstag in Berlin. Das zu erwerbende Werk hat eine Auflage von nur hundert Exemplaren (12/100) und ist handsigniert. Zu besichtigen bei Galerie Holger John, 01097 Dresden, Rähnitzgasse 17. Tel. 0162/477 27 39. Preis auf Anfrage.

PFINGSTEN 2019

DIE GALERIE HAT ÜBER PFINGSTEN GEÖFFNET.

Der Galerist ist anwesend.

Moritz Schleime
The Dicks, 2016
Öl auf Leinwand, 250 x 170

 

Der Roadtrip

Nicolás Dupont
Der Roadtrip, 2019
Öl auf Leinwand, 160 x 200

 

SORRY, YOLO … MAN LEBT NUR EINMAL!

10. Mai 2019 18–24Uhr

LANGE NACHT DER GALERIEN UND MUSEEN IM BAROCKVIERTEL

ab 18 Uhr

VERNISSAGE GALERIE HOLGER JOHN

SORRY, YOLO… MAN LEBT NUR EINMAL!

contemporary art

 

Alexander Endrullat | Electric Uwe | Monika Dahlberg |

Moritz Schleime | Matti Schulz | Nicolás Dupont |

Oliver Estavillo | Paul Pretzer | Sebastian Lukaß |

 

AUSSTELLUNG 10. Mai – 16. Juni 2019

Öffnungszeiten Dienstag – Sonntag 14 – 19 Uhr

 

 
ab 23Uhr

YOLO AFTERSHOWPARTY

CLUB STANDESAMT
PALAISPLATZ 2 01097 DRESDEN
Entritt frei!
http://www.standesamt.club/

LANGE NACHT der Galerien & Museen im Neustädter Barockviertel

18 – 24 Uhr

GALERIE GEBRÜDER LEHMANN – GALERIE HOLGER JOHN – GALERIE URSULA WALTHER – DREIKÖNIGSKIRCHE – GALERIE ART+FORM – KUNSTVEREIN DRESDEN – GALERIE INES SCHULZ – GALERIE FLOX – HANS KÖRNIG MUSEUM – GALERIE KUNST & EROS – KÜGELGENHAUS – KUNSTHAUS DRESDEN – PRODUZENTENGALERIE – PYLON-LAB – GALERIE STEPHANY KELLY – KINDER – & JUGENDGALERIE EINHORN – RAMONA KRÜGER POP – EY GALLERY …

SORRY, YOLO … MAN LEBT NUR EINMAL!


Titelabbildung Oliver Estavillo CRAZY PHARAOS (Verrückte Pharaonen) 100×160 cm | Öl | Blattgold auf Leinwand | 2014

 

SORRY, YOLO… MAN LEBT NUR EINMAL!

contemporary art

Freitag, 10. Mai 2019  ab 18 Uhr

VERNISSAGE GALERIE HOLGER JOHN

Alexander Endrullat | Electric Uwe | Monika Dahlberg | Moritz Schleime | Matti Schulz | Nicolás Dupont | Oliver Estavillo | Paul Pretzer | Sebastian Lukaß |

 

10. Mai 2019 18–24 Uhr

LANGE NACHT DER GALERIEN UND MUSEEN IM BAROCKVIERTEL

 


ab 23 Uhr YOLO  AFTERSHOWPARTY

CLUB STANDESAMT

PALAISPLATZ 2
01097 DRESDEN

Entritt frei!

www.standesamt.club

 

DEUTSCHE HEIMAT

Johannes Kühl  „Elblandschaft“  Fähre Johannstadt  – Ausschnitt, 1943  Öl auf Leinwand

FÜNF JAHRE GALERIE HOLGER JOHN

DEUTSCHE HEIMAT

Gemälde | Zeichnung | Plastik | Erinnerung

AUSSTELLUNG  verlängert bis 7. April 2019

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag  14 – 19 Uhr

und nach Absprache.

In Kooperation mit
Kulturhauptstadtbüro Dresden 2025
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Oskar Seyffert, Richard Müller, Johannes Kühl, Jacques Mattias Schenker, Curt Querner, Alfons Prutscher, Beate Bilkenroth, Richard Naumann-Coschütz, Carl Spitzweg, Eric Keller,
August Hofer, Otto Schubert, Leano Modo, Alexander Gerbig, Franziska Klotz, Micha Wutz, Edmund Körner, Lutz Heyder, Willy Schmatze, Herrmann Schmidt, Eva Schwager, Peter Zimolong,
Georg Egmont Oehme, Erhard Hippold, Christian Manss,
Adolf Achleitner, Hans Hartig, Siegfried Klotz, Andreas Bräunsdorf, Max Pietschmann, Wolfgang Pfeifer, Karl Heidelbach, Wolfram Neumann, Fritz Beckert, Leonhard Sandrock, Karl Eulenstein, Stephan Ruderisch, Willi Mair, Hans Ohme, Walter Hahn, Titus Schade, Horst Janssen, Erich Lindenau, Markus Retzlaff, Barbara Bessen-Möckel,
Walter Womacka, Manaf Halbouni …

VERNISSAGE am Mittwoch 13. Februar 2019 ab 18 Uhr

GRUSSWORT
Annekatrin Klepsch – Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden
Zweite Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden

HEIMAT – DIE GESCHICHTE EINES WORTES
Dr. Igor Jenzen – Direktor Museum für Sächsische Volkskunst mit Puppentheatersammlung

MUSIK
Kaiserquartett Striesen
Heiner Stephani & Hauskapelle Olbernhau

Beate Bilkenroth „Reicker Strasse 2“  Öl auf Leinwand

Ausgerechnet am 13. Februar hatte Holger John seine Ausstellung „Deutsche Heimat“ eröffnet. Ein Provokateur, sagen die einen, die nur das Ziel sehen. Ein Genie, sagen die anderen, die nur den Streich wahrnehmen. Doch wer ist er eigentlich, dieser Holger John, der stets verschmitzt Lächelnde? Was will dieser selbsternannte Impresario, der Galerist mit Hut und Intendant seines kleinen Dresdner Welttheaters? Befragt man ihn, kann man nie sicher sein, an welcher Stelle John flunkert. Dass er es tut, dessen sollte man sich gewiss sein.

„Ich bin ein Ostersonntagskind“. Sonntag stimmt. 1960 erfolgte die Auferstehung Johns bereits zwei Wochen vor Ostern. Für John gerade noch ausreichend Zeit, ein gesamtdeutsches Gemüt zu entfalten – ein ganzes Jahr vor dem Mauerbau. Als gebürtiger Havelländer bereiste John vor seinem Dresdner Studium die ganze erreichbare Welt. Der kleine John wurde durch den großen John mit den ganz Großen auf der Insel Usedom groß. Sein Vater, der Grafiker Joachim John, vermittelte dem Lütten Zeichenunterricht bei Otto Niemeyer-Holstein und eine Töpferlehre bei Hedwig Bollhagen. Später versuchte sich Holger John in Berlin an Gebrauchsgrafik. Ab 1988 studierte er bei Gerhard Kettner an der HfBK Dresden. Der Meistermacher Ralf Kerbach schlug John 1993 zum Maler. Tipps, K (n)iffe und Wirksameres holte sich der Zögling additiv 1995 bis 2002 als Assistent von Jörg Immendorf.

Eigentlich wollte Holger John Bühnenbildner werden. Er begreift die Welt als Bühne, inszeniert Räume, in denen der Besucher (meist ohne es selbst zu merken) als Schauspieler/Akteur fungiert. 1998 hob John mit dem „Titanic-Filmball“ das Heizkraftwerk Mitte aus den Tiefen des städtischen Sumpfes zurück ins öffentliche Mehrklassen-Bewusstsein, 2005 tanzte er als Zeremonienmeister mit Gerhard Richter zur Wiedereröffnung im Albertinum und errichtete 2011 mit „Rammstein“ deren Mausoleum vor der O2-Arena in Berlin.

Nun feiert er „Fünf Jahre Galerie Holger John“. Doch eigentlich steht Holger John im sechsten Jahr. Bereits im Oktober 2013 organisierte er in dem ehemaligen Bayrischen Volkstrachtenladen, der geschlossenen Galerie Brigitte Utz, dem früheren Loft – vor dem temporär Superman mit ziemlichem Pop-Karacho in den Boden gerammt ist – seine erste Ausstellung und zeigte eigene Zeichnungen. Lediglich eine Nacht für das Alter Ego geplant, hat John die damalige „Lange Nacht der Galerien“ an dieser Adresse für sich, eine breite, oft spektakuläre Künstlerschaft und das Publikum verlängert.

Jetzt feiert er mit uns fünf Jahre, sich und die „Deutsche Heimat“. Holger John ist ein Heimat-Hirsch. Mehr als einmal bewies er professionell, dass er zum Thema Heimat eine eigene Meinung hat. 2008 wirkte er an der Ausstellung „Baustelle Heimat“ im Museum für Sächsische Volkskunst kreativ mit. Logische Konsequenz, dass zu Johns Eröffnung am 13. Februar der Direktor des Volkskunstmuseums die Einführungsrede hielt. Nach einem deutlichen Grußwort von Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, die betonte, dass Dresden sich mit dem Slogan „Neue Heimat – Dresden 2025“ als Kulturhauptstadt bewirbt und mit Worten der Schriftstellerin Thea Dorn warnte, dass „Neue Heimat“ zu einem Lieblingsbegriff der politisch Rechten würde, umriss Igor Jenzen die Entwicklung des Heimatbegriffes. „Heimat ist ein Argument. Kein Refugium oder Besitz.“ Jenzen skizzierte die Veränderung des Heimatbegriffes ausgehend vom Römischen Reich mit seinen 350 Territorien.

Damals war es wichtig festzustellen, wo jemand hingehöre, später, wo jemand herkomme. Im boomenden Erzgebirge waren die schürfenden reichen Leute stolz auf die Region, der sie entstammten, Verleger und Handlungsreisende, welche die Produkte auf fremden Märkten feilboten, waren von „Nostalgie“ und „Heimweh“ beseelt.

Mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon erfuhr der Heimatbegriff mit dem Heimatgefühl eine Emotionalisierung und in der Romantik schaute man auf die inneren und wahren Werte der Kindheit zurück. Der Besorgnis vor dem Verlust von Heimat in Zeiten der Industrialisierung wirkte um 1900 die Heimatbewegung mit ihrem Blick auf Harmonie entgegen: Mensch, Natur und Kultur im Einklang. 1908 wurde der Deutsche Heimatschutz gegründet. Wenige Jahrzehnte später wurde der Heimatbegriff politisch instrumentalisiert, „wir sind so, die anderen anders – das wollen wir aber nicht“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aufgrund der großen Flüchtlingswelle im Osten wie im Westen der Heimatbegriff diskreditiert und führte in den 50er Jahren hüben wie drüben zu einer neuen Besinnung auf Heimat, vor allem über die neuen Heimatfilme kommuniziert. Die DDR forcierte eine politische Heimat – „Und wir lieben die Heimat, die schöne, und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört …“. Und heute haben wir eigentlich keine Probleme, deshalb machen wir uns welche.

John wäre nicht John, wäre nicht schon die Eröffnung zu einem riesigen Volksfest mutiert. Das Kaiserquartett Striesen huldigte dem Brunnen vor dem Tore und dem Ännchen von Tharau. Heiner Stephani und die Hauskapelle Olbernhau brachten hausgemachte erzgebirgische Folksmusik unters Volk. Verstanden hat sie niemand, lustig und beschwingt war die Mundart allemal. Bier floss gezapft in Elbströmen, fußmüde Wegesleut konnten sich an Biertischgarnituren ausruhen. Selbstverständlich hing an der Wand das Hirschgeweih – aus Plüsch, ein China-Import. Der Impresario trug eine mit deutschen Doggen verzierte Krawatte und auch sonst scheute er in der Ausstellung keine Klischees. Man findet den deutschen Wald, das deutsche Mädel, den deutschen Berg, das Alpenglühn und die Kuckucksuhr, Sonntagsidylle, Häuslebau und Kacheln. Wer sich keinen Canalettoblick leisten kann, bekommt diesen als Diashow serviert.

Doch war es das? Typisch John? Ein Event? Nein, sondern typisch John! Wer Muse mitbringt, erkennt hinter all der lauten Fassade geballte Reflexion. Die „Alte Heimat“ im Untergeschoss mit Carl Spitzwegs „Gemütlicher Wache“ (um 1855), Oskar Seyfferts „Im kummet Lampenschein“ (1906), Johannes Kühls „Elblandschaft“ (1943). Die „Neue Heimat“ eine Etage darüber mit dem „Altmarkt“ (2003) von Siegfried Klotz, Peter Zimolongs „kontroVERSE I“ (2015) und Walter Womackas „Paar am Strand III“ (ohne Jahresangabe). Der Erinnerung ist mit der Präsentation des Dekorationsmalers Willy Max Schmatze ein eigenes Abteil gewidmet. Eric Keller hängt mit seinem Bild „Kulturhaus I“ (2018) als verbindendes Moment dazwischen.

Das Wirtshaus mit einem Festsaal, in dem jahrzehntelang gefeiert wurde. Erst gab es Schwof für alle, dann wurde in der DDR mittels politischer Strukturen selektiert. In der Wendezeit wurden Kulturhäuser zum Schicksal unerfahrener Unternehmer. Jetzt schafft es niemand mehr, den Staub der Geschichte zu beseitigen. Der Künstler erzählt von Schwermut und Erinnerung. Eine herabhängende Girlande kündet noch von fröhlichen Tagen. Ansonsten ist der Saal weitestgehend geräumt.

Holger John ist meistens vor Ort und wird keine Gelegenheit auslassen, seine Anekdoten zum Besten zu geben und andere zu erfragen. Vor allem vor einer Schwarz-Weiß-Fotografie unbekannter Herkunft – Zeitzeugnis exzessiven Feierns in den privaten Partykellern in der DDR mit viel Bier, schlechter Musik und enthemmter Entkleidung. Dies ist keine Drohung, sondern verspricht unterhaltsam zu werden.

bis 7. April, Rähnitzgasse 17, geöffnet täglich 14 bis 19 Uhr www.galerie-holgerjohn.com

Autor: Patrick-Daniel Baer

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